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das unpersönliche Leben

X. GUT UND BÖSE

  1. Bevor du auf die Erde kamst verweiltest du im Garten Eden, wo dieser Baum stand, dessen Frucht die „Erkenntnis von Gut und Böse“ genannt wurde.

  2. Als du dich noch in diesem Garten aufhieltest, warst du gänzlich unpersönlich, da du noch nicht von dieser Frucht gegessen hattest. Doch da du dich dem Verlangen hingegeben hattest, dem irdischen Mittel Meines Willens, dessen Hauptsinn es war, dass du von der Frucht essen solltest, stiegst du unmittelbar nach Genuss dieser Frucht ab, bzw. fielst du aus dem paradiesischen Zustand (wie das Küken aus der Schale oder wie die Rose aus der Knospe), und fandest dich in neue und fremde Umstände verwickelt. Anstatt Herrschaft über die niederen Reiche zu beanspruchen und dir dadurch jeden Wunsch zu erfüllen, musstest du nun im Schweiße deines Angesichts das Feld bestellen und dein Brot verdienen.

  3. Nachdem du diese irdische Mission übernommen hattest, wurde es für dich notwendig, ganz und gar in die Erdbedingungen einzutauchen, um ein Gemüt und einen Körper zu entwickeln, die Meine Idee auf Erden vollkommen ausdrücken konnten – was die wirkliche Ursache und der Grund deines Eintauchens in diese Traumwelt. war.

  4. Durch den Fall oder das Heraustreten aus deinem unpersönlichen oder paradiesischen Zustand gabst du dich voll den Verlockungen dieser Traumwelt hin und erlaubtest den Wünschen, dich zu beherrschen. Dadurch warst du nicht länger in der Lage, die Realität oder die Seele der Dinge wahrzunehmen; denn du warst mit einem physischen Körper bekleidet, eine irdische Hülle mit einem menschlichen Gehirn, welches – durch Wünsche geleitet – wie ein Schleier dein Seelenbewusstsein und deine Sicht verdunkelte und deinen Geist umwölkte und somit das Licht der Wahrheit nicht eindringen konnte; alles wurde durch deinen mensch- lichen Verstand verfärbt und verzerrt.

  5. Unter diesen Traumbedingungen sahst du alle Dinge dunkel, wie durch Nebel, und dieser Nebel verhüllte alles, so dass du die Realität nicht mehr erkennen konntest, nur ihre nebelhaften Erscheinungen, die dir allerdings als Wirklichkeit erschienen. Dies bezog sich auf alles, was du durch deine Traumaugen sahst, auf die beseelten und unbeseelten Dinge, auf alles, was du mit deinem menschlichen Verstand erfassen konntest, sogar auf dein eigenes Selbst und das Selbst von Anderen um dich herum.

  6. Dadurch, dass du nicht länger die Seele der Dinge wahrnehmen konntest, sondern nur ihre nebelhaften Schatten, wuchs in dir die Überzeugung, dass diese Schatten wirkliche Substanz seien und dass die Welt um dich herum aus dieser Substanz bestünde.

  7. Dieser Nebeleffekt entstand nur, weil das Licht der Wahrheit nicht fähig war, in deinen mensch- lichen Geist einzudringen, dessen Verstand alles durch eine neblige und unvollständige Linse verdreht wahrnahm und diese Erscheinungen als real ansah und dein Bewusstsein fortlaufend mit diesen unzähligen Illusionen deiner Traumwelt beschäftigt hielt.

  8. Nun ist der Intellekt eine Schöpfung des Wunsches und wird gänzlich von ihm gesteuert, und ist nicht, wie viele meinen, eine Fähigkeit der Seele. Anders ausgedrückt: während Meines Erweckungsprozesses deines Bewusstseins zur Wahrnehmung Meiner Idee, die sich im Außen verwirklichen sollte, entstand der „Nebel“ durch die umwölkte Linse deines menschlichen Intellekts, der – weil durch den Wunsch gesteuert – deinem Bewusstsein die von Mir von innen oder außen übermittelten Eindrücke, Bilder, Ideen und Impulse ganz falsch übermittelte.

  9. All dies geschah jedoch vorsätzlich durch Mich, mittels eines Wunsches, um dich bewusst in den Kern der irdischen Bedingungen zu führen. Und als diese falschen Visionen, die durch Wunsch- denken entstanden, viele Fehlschritte und viel Leid und Schmerz verursachten und du Stück für Stück dein Vertrauen in dein Selbst – in Mich, dem unpersönlichen Einen in dir – verlorst (tatsächlich vergaßt du Mich), wusstest du in deiner Hilflosigkeit nicht, wohin du dich wenden konntest. Und doch konnte ICH deinen menschlichen Geist und Willen und all deine Fähigkeiten und deine körperliche Stärke und Kraft – was Mich befähigen würde, Mich und Meine göttliche Idee vollkommen auf Erden zu verwirklichen (was schließlich SEIN musste) – nur dadurch entwickeln, dass du die Erinnerung an deinen göttlichen Zustand verlorst und dein ganzes Bewusstsein auf irdische Belange konzentriertest.

  10. Und so entstand durch deine Fehler, dein Leid und deine Schmerzen und dem daraus resultie- renden Wunsch nach Erlösung, die Idee des Bösen in deinem Gemüt. Hattest du kein Leid, empfandest du dies als das Gute. Und so teiltest du alle Erscheinungen von Dingen 80 oder Umständen in Gut und Böse ein – je nachdem ob sie deine Wünsche (Mein Vermittler, in Wirklichkeit Mein menschliches Selbst oder Du als menschliche Persönlichkeit) befriedigten oder nicht.

  11. Aber all diese Bedingungen und Lebenserfah- rungen, die du machen musstest, und die du als gut ansahst, wenn sie dir angenehm und als böse, wenn sie für dich unangenehm schienen, waren nichts als die Folgen deiner Wünsche, um in dir bestimmte seelische Fähigkeiten zu erwecken, die dich zum Erkennen der Wahrheit befähigen würden, dass ICH zu dieser Zeit in dir dein Bewusstsein erfüllen wollte: das scheinbare Böse als der positive As- pekt der Frucht des Baumes, die dich immer durch ihre liebliche Erscheinung und Süße zum Naschen bis zum Überdruss verlockte, oder du ihre schädigenden Auswirkungen als Fluch zu spüren bekamst und du schließlich desillusioniert warst. Dies diente dazu, dich voller Reue und Demut wieder an Mich, deinem wahren Selbst, zu wenden, welches dann durch das neu entstandene Bewusstsein in der Lage war, das Wesentliche aus diesem Fruchtgenuss zu begreifen und in Seelensubstanz und Gewebe einzubauen.

  12. Und das scheinbar Gute als negativer Aspekt der Frucht, welches sich selbst durch dein Erken- nen und Befolgen in die Verwirklichung gedrängt hatte, erlaubte dir nun, seine glücklichen und natürlichen Auswirkungen zu genießen und die äußeren Vergünstigungen Meiner liebenden Inspiration und Führung zu empfangen.

  13. Dieses Du, das durch all diese Erfahrungen mittels Wünschen geleitet wurde, war nur deine menschliche Persönlichkeit, welches das wahre Du trainiert, entwickelt und vorbereitet hat, damit es ein perfektes Instrument zu deinem Gebrauch und zur Verwirklichung Meiner Idee werden konnte, ständig mit dem Ziel, seine Vollkommenheit im Fleisch immer mehr zu manifestieren.

  14. Das alles tatest Du, nicht nur, um deine menschliche Persönlichkeit zu nötigen, von der Frucht des sog. Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, sondern auch, um davon zu leben, so lange bis du alles sog. Böse gesehen und erkannt und durch dieses Erleben in dem Bösen den Keim des sog. Guten entdeckt hattest, ihn pflücktest, entwickeltest und ins rechte Licht rücktest; so dass du von dieser Zeit an wusstest, dass Gut und Böse keine reale Existenz hatten und nur ein relativer Aus- druck von äußeren Zuständen aus verschiedenen Blickwinkeln waren oder eben nur verschiedene äußere Aspekte der zentralen inneren Wahrheit, der Wirklichkeit dessen, was du erfahren, sein und ausdrücken wolltest.

  15. Und somit hast du während des neueren Zeitalters nach und nach Schicht um Schicht des mensch- lichen Bewusstseins abgeworfen und den Schleier und den Zauberbann, die deinen Geist umwölkten, aufgelöst; und dadurch deinen Intellekt gezähmt, beherrscht, vergeistigt und somit geklärt. Jetzt be- ginnst du zu erwachen und erhaschst durch die immer dünner werdenden Schichten gelegentlich einen Schimmer Meiner großartigen Realität inner- halb Allem-was-ist.

  16. In der ganzen Zeit, tatest Du, das allwissende, unpersönliche ICH BIN in dir, bewusst und absichtlich all dies vorher genannte; nicht mit dem Ziel, das reine Wissen um die irdischen Dinge und Zustände zu erreichen – wie dein Intellekt so laut und bestimmt verkündete – sondern um zu ernten, was du im vergangenen trüben Zeitalter gesät hattest, und so Meine vollkommene Idee auf Erden ver- wirklicht werden konnte, so wie du sie jetzt im un- persönlichen Zustand – deiner himmlischen Heimat – manifestierst.

  17. Erinnere dich: Du bist das großartige, unpersönliche ICH BIN, das all dies tut; das ständig seine äußere Erscheinungsform ändert, doch im Inneren auf ewig dasselbe ICH BIN bleibt.

  18. Der endlose Fluss der Jahreszeiten – der Frühling mit seiner emsigen Aussaat, der Sommer mit seiner warmen, ruhigen Reifezeit, der Herbst mit seiner reichlichen Ernte, der Winter mit seiner kühlen, friedlichen Fülle; Jahr um Jahr, Leben um Leben, Jahrhundert um Jahrhundert, Zeitalter um Zeitalter – ist nur das Ein- und Ausatmen Meiner Idee, wodurch ICH auf Erden und durch dich, – Meine Eigenschaft und all Meine anderen Eigenschaften – Mein Wesen während des Entwicklungsprozesses im Äußeren vollkommen ausdrücke.

  19. Ja, ICH tue es durch dich, denn du bist Mein Ausdruck, weil ICH nur durch dich, Meine Eigen- schaft, Mein Selbst als Mein SEIN ausdrücken kann. ICH BIN, weil du bist. Du BIST, weil ICH Mein Selbst ausdrücke. ICH BIN in dir, wie der Eichenbaum in der Eichel. Du bist ICH, wie der Sonnenstrahl zur Sonne gehört. Du bist eine Meiner Ausdrucksphasen. Du, ei- ner Meiner göttlichen Eigenschaften, bist auf ewig damit beschäftigt, Meine Vollkommenheit durch deine sterbliche Persönlichkeit zu verwirklichen.

  20. Genau so, wie ein Künstler in seinem Geist schon das perfekte Gemälde vor sich sieht, das er malen will, aber seine Hand noch nicht so gut mit den groben Malutensilien umgehen kann, genau so sieht du Mich in deinem Selbst und weißt, dass wir Eins sind; aber ständig wirst du durch deine irdische Unvollkommenheit und menschliche Persönlichkeit , seinem tierischen Körper, seinem sterblichen Verstand und egoistischen Intellekt daran gehindert, Mich vollkommen auszudrücken.

  21. Dennoch erschuf ICH deinen Körper, deinen Geist und deinen Verstand, um Mein Selbst durch dich auszudrücken. Den Körper erschuf ICH nach Meinem Ebenbild; den Geist erschuf ICH, um dich von Mir und Meinen Werke in Kenntnis zu setzen; den Verstand erschuf ICH, damit du Meine Idee, die ICH deinem Geist eingab, verwirklichen konntest. Jedoch wurdest du durch die menschlichen Entwicklungsphasen dieses Körpers, Geistes und Verstandes und deren Umsetzung im Außen, so verwirrt, dass du Mich – den Einen und der einzigen Wirklichkeit in deinem Innern, dessen göttliche Natur ICH immer durch dich ausdrücken möchte – vergessen hast.

  22. Doch die Zeit ist nahe, dass die äußeren Bedingungen dich nicht länger verwirren werden und Meine Wirklichkeit sich in dir in all ihrer Herrlichkeit und Vollkommenheit offenbaren wird.

  23. Wenn sich so Mein Selbst offenbaren wird, wirst du nicht mehr gesegnet sein als vorher, es sei denn, dass das, was ICH dir offenbare, zum Brot des Lebens für dich wird und du dieses leben und manifestieren wirst.

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